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September 2017

- Grüße aus dem Graefekiez -

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Wie ein Dorf in einer Stadt und doch ganz anders – so ist ein Kiez in Berlin. Ohne Zentrum und Rand besteht er aus einigen Straßenzügen, aus öffentlichen Plätzen und vielen Wohnhäusern, meist mit einem kleinen Ladengeschäft, Restaurant oder Café. Ein Kiez ist so dicht mit Tausenden von Menschen bevölkert, dass man sich auch nach etlichen Jahren noch anonym wie in einer Großstadt fühlt. Doch kennt man andererseits so viele Kiezbewohner, dass wie in einem Dorf jeder Einkauf mit einem Schwätzchen verbunden ist. Wie geht´s, wie steht´s, Frau Nachbarin? Hast Du schon gehört, die Kohlenhandlung macht zu! Was, das Haushaltsgeschäft und der Trödelladen auch? Ach so, die steigenden Mieten, die neuen Supermärkte, der sich wandelnde Zeitgeist. Denn anders als ein Dorf ist ein Kiez in ständiger Bewegung.

„Wolltest Du mich nicht immer mal malen?“, sprach mich eines Tages Atilla an, der nette Verkäufer im türkischen Gemüseladen um die Ecke. „Klar“, entgegnete ich, „das will ich doch schon seit Jahren. Aber seit wann hast Du denn mal eine halbe Stunde Zeit?“ – „Die nehme ich mir einfach, wir schließen nämlich Ende des Monats. Und als Erinnerung so ein Bild von mir vor dem Geschäft, das wäre doch was, oder?“ – Ich nickte nur und gleich am nächsten Morgen war ich mit Atilla im hinteren Ladenraum verabredet. Wie erwartet war der alte Zappelphilipp kein geduldiges Modell: „Marion, bist Du bald fertig? – „Nein, ich habe doch erst vor 5 Minuten angefangen. Aber skizziert bist Du schon.“ – „Jetzt muss ich aber nach vorne, Tamer schafft es nicht alleine.“ – „Attila, es sind doch gar keine Kunden da. Du bleibst jetzt schön hier. Und nicht bewegen: Ich male gerade Deine Arme und Beine.“ – „Marion, ich kann nicht mehr, ich geh jetzt.“ –„Besser nicht, es fehlt doch noch die Hauptsache: Dein Gesicht.“ – „Aber dann schnell, ich falle gleich um.“ – „Denk an was Schönes, Attila, das hilft, und einfach immer nur lächeln.“

Schließlich war die Session vorbei – und Atilla glücklich, denn er gefiel sich auf dem Bild. Danach malte ich draußen auf dem Bürgersteig die Geschäftsinhaberin Ayten, ihre Kinder, meine Kinder, unseren Nachbarjungen Nadim, das Hündchen Lady und ein paar Gäste im Café. Nach 3 Wochen war das Bild beendet, das bunte Leben in unserem Kiez wie ein Schnappschuss auf Papier gebannt. Kurz hatte die Zeit für uns den Atem angehalten. Doch unaufhaltsam würde sich alles weiter verändern –  schon im Moment nach dem letzten Pinselstrich.

 

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