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Januar 2016

- Der Horizont von Shangri-La -

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Mein Sohn Bruno erwartete mich in Shanghai. „Was soll ich denn zum Anziehen mitbringen?“, fragte ich ihn kurz vor meiner Abreise. Seine Antwort war eine Überraschung für mich: „Am besten richtig warme Kleidung, denn ich will mit Dir ins Himalaya.“

Inzwischen war ich in Shanghai angekommen, doch der Jetlag hielt mich wach, während alle im Hostel bereits schliefen. Also malte ich die Gitarre, die im Gemeinschaftsraum stand, und nahm mir  vor, das Bild in Shangri-La zu beenden. Denn zu dieser Stadt mit dem mystischen Namen brachen wir  am übernächsten Tag auf.

Zuerst lief alles glatt und wir kamen gut voran. Doch es war Anfang Januar und tiefer Winter auch in China. Je weiter westlich und je höher wir kamen, desto kälter wurde es. In Lijiang, kurz vor unserem Ziel, war die Straße wegen Schnee gesperrt. „Wir können auch hier bleiben“, schlug Bruno vor.

Doch da gab es im Gepäck dieses Bild mit der Gitarre, das noch nicht beendet war. Und so ging es weiter mit dem Bus, hoch und noch höher, bis die Wolken tief unter uns lagen und wir über ein herrliches Plateau in 3.200 Meter Höhe fuhren, weit und schneebedeckt, der Himmel klar und blau.

Den bergigen Horizont von Shangri-La malte ich im Hostel hinter einer Fensterscheibe. Ich kann mich noch gut erinnern, wie aufgeregt und gleichzeitig ruhig ich dabei war. Später malte ich draußen zwei weitere Bilder. Eine Stupa mit bunten Gebetsfähnchen und die kleinen Yaks. Bruno leistete mir Gesellschaft und wir beide staunten nicht schlecht, als am späten Nachmittag Eiskristalle groß wie Hagelkörner auf meinem Papier lagen. Es gab kein Wölkchen am Himmel, woher also kamen sie? Es war die Temperatur, die nun schnell sank, das Wasser gefrieren ließ und den Pinsel in einen widerborstigen Besen verwandelte. Uhh, in der Nacht gingen die Temperaturen sogar auf minus 25 Grad zurück.

Diese Reise hat eine neue Sehnsucht geboren: Im Frühling möchte ich einmal zurückkehren und  nach Tibet reisen, das so geheimnisvoll im Horizont von Shangri-La verborgen liegt.

 

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