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Juni 2014

- Im Lande Chorin -


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An einem Sonntagmorgen fuhr ich mit Staffelei, Hut und Malsachen ins Choriner Land. Tags zuvor hatte es mir dort ein Gerstenfeld mit seiner Mohnblumenpracht angetan. Mein Maltag war herrlich, weil ich ungestört blieb und den sonnigen, aber nicht zu heißen Sonntag in Einsamkeit inmitten dieser Idylle genießen konnte. Weit und breit keine Menschen, nur Rauschen, Rascheln, Sirren und Surren, eine leichte Brise – kühlend und angenehm. Es war schön hier! Ich fühlte mich ganz entspannt, sogar ein bisschen träge, ließ mir für jeden Pinselstrich Zeit und Muße. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bekam einen Schreck: Schon 18 Uhr, Zeit zum Aufbruch. Jetzt betrachtete ich ganz ratlos mein Bild, dessen Hintergrund vollendet war, wo im Vordergrund aber nur ein paar Mohnblüten und angedeutete Getreidehalme zu sehen waren. Nein, dieses Bild konnte ich heute beim besten Willen nicht mehr beenden und morgen wiederzukommen, war unmöglich. Am Dienstag sollte es regnen – was also tun? Mit einem dicken Pinsel die weißen Flächen grün bemalen? Da hielt auf einmal ein Auto an der Straße und kurz darauf spazierte eine Frau mit Fotoapparat über das Feld. Sie machte ein paar Fotos vom Mohnfeld in der Abendsonne und kam schließlich auch zu mir an die Staffelei. Sie erzählte mir, dass sie bereits seit sechs Wochen mit dem Auto quer durch Deutschland unterwegs war und die Insel Usedom als Ziel hatte. „ Heute kommen Sie bei Tageslicht aber nicht mehr an“, sagte ich. „Muss ich auch gar nicht“, antwortete sie in ihrer freundlichen Art. „Ich schlafe irgendwo“. – „In einer Pension?“ fragte ich nach. „Nein“, entgegnete sie und lachte verschmitzt, „einfach irgendwo unter einem Baum.“ Ich schaute sie ungläubig an. „Wirklich, Sie ganz alleine?“ – „Ja, so mache ich das schon seit vielen Jahren“. Ich staunte nicht schlecht. „Haben Sie niemals Angst?“ – „Ach was!“, gab sie zur Antwort, „was soll schon passieren? Es ist schön, unter einem Baum zu schlafen!“ Ich spürte ihren Freigeist und ihre Unabhängigkeit. Eine starke Frau. „Ihr Bild“, meinte sie, „ist übrigens wunderschön.“ – „Es ist noch nicht beendet.“ – „Warum denn?“ – „Na ja, es fehlt noch der Vordergrund“ – „Wirklich? Ich finde es perfekt.“ - „Kein weiterer Pinselstrich?“ – „Nicht mal einen!“ – „OK, dann war´s das also“. Ich malte meine Initialen unten rechts auf´s Papier, klappte meinen Malblock zu und gemeinsam stapften wir plaudernd übers Feld zurück zur Straße.

 

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