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Juli 2018

- Domino -

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Esel gelten bekanntlich als sehr ausdauernd und geduldig. Wären sie nicht das ideale Modell für mein erstes Tierbild? „Klar doch, Du kannst gerne meine Esel malen“, begeisterte sich Horst, ein in Portugal heimisch gewordener Frühpensionär und Eselliebhaber für meine Idee. „Und ich habe das ideale Modell für Dich: Domino! Denn er ist der schönste von allen.“ Schon ein paar Tage später waren wir auf dem Feld hinter Horsts Gemüsegarten verabredet – zu dritt. „Du bleibst doch hier, um Domino festzuhalten?“, fragte ich hoffnungsvoll. "Ach was, der läuft Dir schon nicht weg. Schau´ nur, er hat Fussfesseln", beruhigte mich Horst. Einigermaßen überzeugt setzte ich mich in den Schatten einer großen Pinie und begann zu malen. Domino schaute mir dabei sehr interessiert zu. Prima! Schnell hatte ich ihn skizziert und freute mich über das gute Vorankommen. Doch urplötzlich verlor der kleine Esel das Interesse an mir und der Malerei: Mit trippelnden Schritten drehte er sich einmal um die eigene Achse und blickte von nun an nur noch zum kleinen Pinienwald in der Ferne.

Es war einer dieser glutheißen Julitage in Portugal. Mich ohne Hut in die Sonne vor Domino zu setzen und weiterzumalen – nein, das ging auf gar keinen Fall. Also blieb ich im Schatten und malte die Pinien, die Büsche, das Gras. „Domino!“ begann ich schließlich zu locken, erst flüsternd, dann rufend. Doch durch nichts konnte ich seine Aufmerksamkeit gewinnen. Letzter Ausweg: Karnevalslieder! Ich kannte eine ganze Reihe davon und sang sie nun so laut und so schief wie möglich – und hatte Erfolg mit meiner ach so schönen musikalischen Darbietung. Domino wandte sich mir wieder zu, lauschte scheinbar verzückt, während ich weiterschmetterte und malte. Aber was machte er da mit seinen Beinen? Eins übers andere, tänzelte er? Nein, er war dabei, sich in seinen Fußfesseln zu verheddern. „Warte, ich helfe Dir“, sagte ich und sprang auf, um das lange Seil zu entwirren. Dafür musste ich den Knoten lösen. Der clevere Domino erkannte sofort die Situation und ergriff seine Chance: einige kleine Schrittchen, ein Sprung und schon rannte er im Eselsgalopp davon, sein fröhliches Eselsgeschrei wehte ihm nach und ertönte laut übers weite Feld. Horst hatte das natürlich auch in seinem Haus gehört. Zum Glück! Schon kurze Zeit später brachte mir den kleinen Ausreißer wohlbehalten zurück. Noch ein paar Farbflächen hier, ein paar Striche dort – und schließlich war der schönste Esel Portugals gemalt. Das Bild war just mit dem Licht des Abendhimmels beendet. Endlich!

Sagt man nicht auch, Esel seien einfältig und stur? Auf Domino trifft auch dieses Vorurteil nicht zu. Im Gegenteil. Ich fand ihn sehr zugänglich und mit Humor gesegnet. Als ich ein paar Wochen später Horst noch einmal besuchte, freute ich mich natürlich auch auf Domino. Hatte er mich wiedererkannt? Jedenfalls rannte er gleich im Eselsgalopp herbei, als er mich entdeckte. Erinnerte er sich also sogar an unseren gemeinsamen Tag? Sein Eselsgeschrei jedenfalls klang hocherfreut – und fast so schaurig-schön wie mein damaliger Gesang.


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