Oktober 2017

- Der Eiffelturm -

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Manche Orte gleichen Mythen; manche Namen klingen wie Musik. Paris! Das geschichtsträchtige Zentrum für Kunst und Kultur. Gerühmt als Stadt der Liebe und Lebenslust – und für mich das Synonym für den Aufbruch in die Moderne. Dorthin fuhren nun meine Tochter Xira und ich, um die Stadt zu erkunden, zu malen und meine Freundin Gaby zu besuchen.

"Oh là, là", begrüßte uns Gaby erfreut an ihrer Wohnungstür; "Habt Ihr es also tatsächlich mal nach Paris geschafft!" – "Gabriela Rosa da Silva – Fotografin, Yoga-Lehrerin, Biodanza, Klangmassagen", ich deutete auf ihr Klingelschild, "das hört sich nach vielen Jobs an." – "Und Kindermädchen, Wellness-Trainerin, Sprachlehrerin“, ergänzte Gaby lachend, "Als Kunst-Fotografin muss man ein Tausendsassa sein, um hier zu überleben. Paris ist einfach furchtbar teuer geworden." Sie zeigte uns ihr Reich auf 17 Quadratmetern, eine Wohnung 'en miniature' und trotzdem kaum bezahlbar. "Dafür wohne ich am Montmartre, meinem Lieblingsquartier", erklärte Gaby.

Kurze Zeit später saßen wir an einem kleinen Tischchen vor ihrem Fenster und tranken Tee. "Manchmal, wenn es sehr schwierig ist", gab Gaby zu, "bin ich kurz davor, wieder nach Berlin zu ziehen. Aber für mich ist und bleibt Paris trotz allem die schönste Stadt der Welt. Sie ist poetisch und charmant – so wie die Menschen hier. Obwohl das leider in den letzten Jahren auch nachlässt. Trotzdem. Die alten Gebäude atmen Kunst und ich hab' das Gefühl, der Freigeist von Sartre und Simone de Beauvoir ist immer noch ein wenig spürbar. Ich empfinde so viel Zärtlichkeit für diese Stadt und komme wie von einer großen Liebe wohl niemals mehr von ihr los." Sie lachte verschmitzt. "Nun denn, wenn Ihr wollt, zeige ich Euch mein Paris."

Bei einem langen Spaziergang lernten wir einige ihrer Lieblingswinkel, Gabys bevorzugte Cafés und Geschäfte kennen. Schließlich setzten wir uns auf die Treppenstufen der hochgelegenen Kathedrale Sacré-Cœur. Von hier aus ergießt sich die Stadt in die Ferne. Straßenzüge mit prächtigen Häusern und Gebäuden verschmelzen mit Vororten, Wohnblocksiedlungen und Industriegebieten zu einer riesigen Fläche aus Beton und Stein. Gaby wies mit einer galanten Geste über das Häusermeer: "Voilà, das ist das moderne Paris. Groß, pulsierend, eine Stadt voller Widersprüche und Probleme. Hart und stressig, doch auch aufregend und liebenswert wie kein anderer Ort auf der Welt. Was wollt ihr morgen eigentlich malen? Die Stadt strotzt doch nur so vor schönen Motiven." – "Natürlich den Eiffelturm", antwortete Xira. Ich ergänzte: "Er ist wie Paris: grau und gigantisch, trotzdem luftig und elegant. Wer liebt ihn nicht? Ihn mit dem Pinsel aus der Nähe zu erleben, darauf freue ich mich schon ewig." Gaby schwieg – und lächelte nachdenklich. Doch unsere Liebeserklärung an ihre Stadt gefiel ihr.

 

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