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August 2018

- Rangiroa -

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Wo waren wir? Irgendwo in der Weite des Pazifiks, eine Flugstunde nördlich von Tahiti. Jetzt standen wir knapp einen Meter über dem Meeresspiegel auf dem Kraterrand eines Vulkans mit gigantischen Ausmaßen: 260 Kilometer Umfang und 60 Kilometer Durchmesser. Der Grat ist überall nur wenige hundert Meter breit – ein schmales Inselband, auf dem nur zweitausend Menschen leben, aber Millionen Kokospalmen wachsen. Der Pazifik hat zwei tiefe Durchbrüche geschaffen: Und hier im kühlen, nährstoffreichen Wasser tummeln sich nicht nur viele Fische in den schönsten Farben und Formen, sondern auch die „Großen der Meere“, die sich von ihnen ernähren. Diese Mantas, Haie und Delfine locken wiederum Taucher aus allen Herren Ländern herbei. Ja, solch eine passionierte Taucherin hatte meinen Mann Klaus und mich für Rangiroa begeistert, als sie uns dieses Atoll als das kostbarste Kleinod der Welt beschrieb.

Überirdisch schön sind beim allabendlichen Sonnenuntergang die Spiegelungen der prächtigen Farbpalette auf der glatten Wasserfläche der Lagune, der funkelnde Nachthimmel, das zarte Pastelllicht des Morgens. Auf den ersten Blick ein Paradies – nicht nur für Taucher. Doch beim Schnorcheln im seichten Wasser bot sich uns ein anderes Bild: Hier ist das Meer zu warm geworden. Längst sind die bunten Korallenwälder an der Kraterwand abgestorben, auf dem Meeresboden türmen sich ihre bleichen Reste. Mit ihnen ist auch das andere Leben im Meer erloschen. Nur noch ein paar größere Fische, darunter ein fast zahmer Riffhai, ziehen in der Lagune vor unserem Haus ihre Kreise. Olga, unsere Vermieterin, füttert sie mit Essensresten.

„Machst Du Dir Sorgen um die Zukunft?“, fragte ich sie. „Natürlich“, sagte Olga nachdenklich. „Wir leben hier zwar mitten im Pazifik, aber nicht hinter dem Mond. Die Atmosphäre erwärmt sich kontinuierlich, die Eiskappen schmelzen, der globale Wasserspiegel steigt. Rangiroa wird wohl in absehbarer Zeit im Meer versinken. Oder das Schweröl der Kreuzfahrtschiffe, die uns jede Woche heimsuchen, vernichtet schon vorher die letzten Korallenwälder. Das vertreibt erst die kleinen, dann die großen Fische und schließlich auch die Taucher. Und von denen leben wir Einheimischen!“ Sie hatte ihr langes, bereits ergrautes Haar zu einem Knoten hochgesteckt und paddelte in Shorts und T-Shirt neben mir im Wasser. „Doch komm“, sagte sie, „lass uns schwimmen und den Tag genießen.“

Der Name Rangiroa bedeutet eigentlich ‚Weiter Himmel‘. Am Nachmittag malte ich ihn und das Meer. Doch meine Farben und Bilder konnten die Besonderheit dieses einzigartigen Ortes gar nicht wiedergeben: Rangiroa ist wie eine wunderschöne Brosche, mit der sich unsere Erde schmückt. Ein riesengroßer, in hellen Blautönen changierender flacher Türkis, eingefasst von einem dunkelgrünen Palmenband, gesäumt am inneren Rand von weißem Korallensand und am äußeren von sternförmig wogender weißer Gischt. Das dunkle Blau des Pazifiks, das sich ringsum bis an die Enden der sichtbaren Welt erstreckt, durchbricht zweimal diesen Rahmen. Und genau hier funkelt das Leben selbst in allen Farben und Formen aus der Tiefe wie der kostbarste Diamant hervor.


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