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April 2016

- So heiß der Sand -

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Klimatisierte Räume und Autos, Wasser im Überfluss, sattes Grün: Dass Abu Dhabi mitten in der Wüste liegt, lässt sich in dieser hochmodernen Stadt fast vergessen. Palmen säumen auch die Straße nach Al Ain, die schnurgerade durch eines der heißesten Gebiete der Welt führt, und wachsen so üppig und dicht, als sollten sie den Blick auf die Wüste verdecken. Auf halber Strecke wölben sich jedoch die Sanddünen hoch über die Palmen und wellen sich in leuchtenden Farben gelb-golden-braun-orange  zu beiden Seiten faszinierend schön in die Tiefe des Horizonts. Genau hier wollte ich anhalten – und hatte Glück, denn es gab einen Parkplatz, verlassen und menschenleer.

„Bist Du sicher, dass Du ausgerechnet jetzt malen willst – es ist Mittagszeit!“, gab mein Sohn Bruno zu bedenken. „Ach komm schon, so heiß wird´s schon nicht sein“, entgegnete ich. Doch selten hatte ich mich dermaßen getäuscht. Tür auf – und aus der Kühle des Wagens traten wir in eine Glutkammer. Die Luft war dick und brannte in den Lungen, als stünden wir in unmittelbarer Nähe eines gigantischen Feuers. „Ich geh da hoch zum Malen“, sagte ich und deutete auf die kleine Anhöhe hinter dem Parkplatz. Hut auf dem Kopf, Malkasten auf dem Arm, Pinsel in der Hand: Doch in meinen Sandalen hatte ich schon nach ein paar Schritten durch den glühend heißen Sand genug und begann schnell mit meinem Bild.

Aber das Malen ging mir nicht von der Hand: Der Pinsel, den ich gerade erst ins Wasser und dann in die Farbe getaucht hatte, trocknete auf dem Weg zum Papier fast wieder ein. Mein Farbkasten aus Metall heizte sich rasend schnell auf und brannte auf meinem Unterarm. Und dann meine Schuhsohlen, ich stand wie in einem Feuerschuh. Schließlich gab ich auf und lief mit Sprungschritten die wenigen Meter zum Parkplatz zurück. Brunos Angebot, sich dort schattenspendend hinter mich zu stellen, nahm ich dankbar an und setzte die letzten Linien etwas gelassener aufs Papier.

Endlich saßen wir wieder im klimatisierten Wagen Richtung Abu Dhabi, löschten den Durst mit kaltem Wasser ohne Ende, im Radio lief arabische Musik. Ich musste mit großem Respekt an die Beduinen  denken. Auf alten Schwarz-Weiß-Fotos, die ich mir am Tag zuvor angeschaut hatte, liefen sie barfuß über die Dünen. Aber erst jetzt verstand ich:  Sand kann heiß sein. Höllisch heiß. Heiß wie Zigarettenglut.

 

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