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Oktober 2014

- Kleiner Strand bei Nacht -

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Die besondere Atmosphäre von sphärischer Einsamkeit und dunkler Natur lässt sich nur nachts einfangen. Schon lange plante ich, ein Bild am nächtlichen Strand zu malen – und am letzten Tag meiner Herbstreise nach Portugal kam alles zusammen: Es war mild für Anfang Oktober, selbst am späten Abend. Und der Vollmond würde nicht nur den Strand verzaubern, sondern mir zusätzlich zu meiner Taschenlampe Licht zum Malen spenden. Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich kurz vor Mitternacht am Kleinen Strand ankam. Nachts und ganz alleine war ich noch nie hier gewesen. Wie eine Decke lag die Stille der Nacht über der rauschenden Brandung, die Felswände warfen rabenschwarze Schatten und alles Vertraute wirkte ungewohnt. Langsam schritt ich die lange Holztreppe hinunter, setzte mich auf eine der unteren Stufen, holte meine Malsachen aus dem Rucksack und breitete sie um mich herum aus. Ich hatte nur 5 Farben und zwei Pinsel dabei, allerdings einen großen Malblock. Dieses Bild war etwas Besonderes und ein Experiment: Es würde gelingen oder nicht, das lag nicht wirklich in meiner Hand.

Meine Taschenlampe brauchte ich beim Malen, doch um meine Umgebung wahrzunehmen, schaltete ich sie auch immer wieder aus. Es war kühl, die Farben trockneten kaum und leicht konnten die Felsen mit dem Himmel verschwimmen, das Meer mit dem Strand und ob ich immer die richtige Farbe auswählte, war bei diesem Licht nicht erkennbar.

Als sich plötzlich drei Gestalten aus der Schwärze der rechten Felswände lösten und zur Mitte des Strandes liefen, stockte mir für einen langen Moment der Atem: Es waren drei Männer mit Kapuzenpullovern, wahrscheinlich kamen sie vom Großen Strand. Alles zusammenpacken und schnell weg, war mein erster Gedanke, “Dann wird nie was aus diesem Bild“ mein zweiter. Also überwand ich meine Panik, atmete tief durch – und malte einfach weiter. Es dauerte nicht lange, da hatten die drei Gestalten den Strand überquert und liefen die Treppe hoch. Als sie an mir vorbeigingen, konnte ich ihre Gesichter nicht erkennen. Der erste schwieg, der zweite sagte “Hallo“ und der dritte zeigte auf einen roten Kinderschuh, den er in der Hand trug. Ich sagte nichts, der Schreck saß mir im Nacken. Erst als die Schritte der Männer auf der Holztreppe langsam verhallten, konnte mein gutes Gefühl wieder wachsen. Der nächtliche Strand lag ruhig und friedvoll vor mir – genau so, wie ich mich bald auch innerlich wieder fühlte.

 

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