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Juni 2013

- Largo 1. de Maio as nove de manha -

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Für alles gibt es ein erstes Mal. Auch für das Malen im Dorf. Ich wollte unbedingt den schönen Dorfplatz auf Papier bringen, hatte aber Angst vor dieser Aufgabe und vor all den Leuten, die mir über die Schulter blicken würden. Daher begann ich schon morgens um halb sieben mit dem Malen, das Tageslicht reichte gerade aus. Ich hatte mir ein schönes Plätzchen ausgesucht und saß auf der Treppe eines kleinen Häuschens.

Natürlich malte sich dieses Bild nicht in kurzer Zeit, ganz im Gegenteil. Es dauerte sehr lange, viele Urlaubswochen lang. Im Laufe der Zeit lernte ich den Rhythmus der Dorfbewohner kennen: wer wann zur Arbeit ging, welches Auto zu welchem Zeitpunkt um die Ecke bog, wann welcher Rolladen hochgezogen und welche Fensterläden aufgeklappt wurden, wann Pinto vor seine Kneipe und Almerindo, der Maler, auf seine Terrasse trat, um den Tag zu beschnuppern. Wie ist das Wetter heute, wie wird der Tag? Kurz nach halb neun fegte Edith mit ihrem Besen vorbei und der schlappohrige Hund Max hielt bereits seine erste Siesta.

Ich malte die Häuser und Straßen, den schönen großen Nadelbaum, den alten Brunnen, die kleine Palme, die Orangenbäumchen, entdeckte langsam die Details aller Gebäude. Leute kamen nun regelmäßig bei mir vorbei: Es wurde spannend, weil der Aufbau des Bildes langsam zum Vorschein kam. Und dann kam der Moment, als ich mich auch an die Abbildung von Menschen wagte. Zuerst saß mir José, mein alter Freund, auf der Bank Modell, am nächsten Tag Ignazio aus Sardinien, auf der gegenüberliegenden. Belustigt unterhielt er sich fiktiv mit José, den er ja vom Bild her auf der anderen Parkbank wusste. „Hallo, José, wie geht´s Dir? Gut gefeiert, gut geschlafen? Du siehst aber noch ganz schön müde aus.“ Wir lachten alle, die Situation war zu komisch. Um halb zehn packte ich gewöhnlich meine Malsachen ein: Die Sonne blendete, der Platz wurde immer belebter, Zeit für´s Frühstück.

Eines Tages war mein Bild fertig! Es zeigt den Platz und seine Menschen: Ich hatte bei der Arbeit meine Freude an der situativen Malerei entdeckt. „Kann ich Dein Bild kaufen?“, fragte mich Maria, eine Kunstliebhaberin. „Nein“, antwortete ich und fühlte mich dabei ganz feierlich, „ich werde meine Bilder nicht mehr verkaufen.“ Es gibt für alles ein erstes Mal und alles nimmt irgendwo seinen Anfang.

 

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