Februar 2026

Ein milder Februarabend. Mein Mann und ich lehnten an der Reling der Fähre von Teneriffa nach La Gomera. Im Hafen lag ein eleganter Zweimaster vor Anker, sanft schaukelnd auf den kleinen Wellen. Ein stilles Schauspiel, ein perfektes Motiv. In wenigen Minuten würden wir ablegen. Ich sah Klaus an. Er kannte diesen Blick. Wenn überhaupt, dann musste es jetzt ganz schnell gehen. Blitzschnell sogar. Zeit war kaum noch da: ein paar Minuten vielleicht, bevor die Sonne versank und die Fähre den Hafen verließ. „Ich probiere es“, sagte ich entschlossen und griff bereits nach der Maltasche im Rucksack. Der Malkasten sprang auf, das Wassernäpfchen klickte an seinen Platz, ein Schluck Wasser hinein – und schon fegte mein kleiner Pinsel über den Malblock in meiner Hand. Ich hielt den Atem an. Klaus ebenfalls. Vor uns das schaukelnde Schiff, der Himmel in warmen Farben, die Sonne auf dem Weg zum Horizont. Um uns herum das tiefe Dröhnen der Motoren, Stimmen, Bewegung – eine spürbare Unruhe: Gleich ging´s los.
Als die Fähre langsam Fahrt aufnahm, stand ich still an der Reling. Nur meine Augen waren in Bewegung, flogen zwischen Motiv und Farben hin und her, während der Pinsel rastlos den Weg zum Papier fand. Jede Sekunde verlangte Entscheidungen: dieser Strich, diese Fläche – jetzt oder nie. Dann drehte sich das Segelschiff im aufgewühlten Wasser und die Sonne berührte fast den Horizont. Mein Herz klopfte schneller, auch Klaus schien beunruhigt. Wird das noch etwas? Und plötzlich ließ die Spannung nach. Meine Gesichtszüge entspannten sich, ein Lächeln breitete sich aus. Ich ließ den Malkasten sinken, drehte mich zu Klaus und hielt ihm das Bild hin. Gut? Er nickte. Ein glücklicher Moment.
Noch lange standen wir an der Reling und sahen zu, wie die Hafeneinfahrt kleiner wurde, das Segelboot verschwand und schließlich die ganze Insel im Dämmerlicht schrumpfte. Die Fähre schaukelte nun von Welle zu Welle, hinein in die Dunkelheit, La Gomera entgegen.