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März 2018

- Maoi von Rapa Nui -

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Inseln gibt es viele, die geheimnisvollste von allen ist für mich Rapa Nui, auch die Osterinsel genannt. Ein winziger maigrüner Fleck im tiefblauen Pazifischen Ozean, viele Flugstunden von jedem anderen Land entfernt. Bekannt ist Rapa Nui in der ganzen Welt wegen ihrer Moai. Warum diese kolossalen Steinfiguren geschaffen wurden und welche Bedeutung sie hatten, weiß niemand. Denn die Vergangenheit der Insel liegt im Dunkeln. Vermutlich wurde Rapa Nui vor vielen Jahrhunderten von einer kleinen Gruppe Polynesier entdeckt und besiedelt, blieb danach aber völlig isoliert.

Auch heute noch ist diese Insel schwierig zu erreichen – und ohne meine Freundin Lou hätten wir sie bestimmt nie ‚entdeckt‘. „Das ist der rätselhafteste Ort der Welt, denk´ doch nur an die Moai“, sagte Lou und ihre Stimme klang aufgeregt. „Man kann über die kolossalen Steinfiguren so viel lesen, wie man will, aber sie zu sehen – das ist bestimmt ein großer Unterschied! Ihr dürft Euch die Osterinsel auf keinen Fall entgehen lassen, wenn ihr schon mal von Südamerika nach Neuseeland fliegt.“ Und so kam es, dass mein Mann Klaus nicht nur unsere Reiseroute änderte, sondern wir gleich neun Tage auf Rapa Nui blieben – viel länger als die meisten anderen Touristen. Ich malte und wir lernten viel in dieser kurzen, doch intensiven Zeit. Besonders über die Moai, die wir fast alle besuchten: Sie sind unterschiedlicher, als wir glaubten. Die älteren sehen wie Individuen aus, die jüngeren wie uniforme Zinnsoldaten. Sie stehen über die ganze Insel verstreut, meistens in kleinen Gruppen und mit dem Rücken zum Meer. Doch blieben sie rätselhaft, wie die ganze Geschichte der Insel. Zwar existieren Tontäfelchen, die vielleicht Auskunft geben könnten. Aber bislang gelang es noch niemandem, ihre Inschriften zu entziffern. Sicher ist, dass Rapa Nui ursprünglich eine fruchtbare tropische Insel war, die einmal bis zu fünfzehntausend Menschen ernährte. Als sie jedoch am Ostersonntag 1722 erneut entdeckt wurde, war sie bereits seit langem eine öde, unfruchtbare Graslandschaft und ihre wenigen Bewohner hungerten. Wie es so weit gekommen war, weiß man bis heute nicht. Jahr für Jahr reisen viele Menschen aus der ganzen Welt nach Rapa Nui, um die Moai zu sehen. Aber auch viele, weil sie sich Antworten auf die Frage erhoffen, wie eine Zivilisation ihre eigene Lebensgrundlage zerstören konnte. Wie kann man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen?

Rapa Nui ist ein Grasland geblieben, auf dem verwilderte Pferde weiden. In Hanga Roa jedoch, der einzigen Ortschaft, wo sämtliche fünftausend Inselbewohner leben, pulsiert das Leben. Die Vegetation ist exotisch, der Alltag bunt, die Menschen leben hier polynesischer als irgendwo sonst in der Südsee. Doch schaut man aufs wogende Meer, das sich in alle Richtungen erstreckt, oder in den flimmernden Sternenhimmel bei Nacht, spürt man auf Rapa Nui vor allem unendliche Weite und Leere, fühlt die tausendjährige Einsamkeit. Unweigerlich denkt man an die alte Legende: eine Katastrophe habe die gesamte Menschheit ausgelöscht und nur die Bewohner Rapa Nuis verschont. Was bedeutete es, sich als die letzten Menschen auf der Erde zu sehen - auf einer Insel, die man von einer Anhöhe aus überblicken und an einem Tag zu Fuß umrunden kann?

Ob wir wiederkommen werden, fragte uns unsere Vermieterin beim Abschied. Wir blieben eine Antwort schuldig. Doch jedes Jahr im Herbst, wenn auf der Südhalbkugel der Sommer naht, sage ich zu meinem Mann: „Ich habe noch gar nicht alle Moai gemalt! Wollen wir nicht doch noch mal nach Rapa Nui?“ Dann denkt Klaus kurz nach und nickt zustimmend. Denn die Rätsel dieser ungewöhnlichen Insel halten uns immer noch in ihrem Bann. Ganz offensichtlich.

 

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